Letzte Ruhe unter Bäumen: Bestattungswald Bötersheim wurde feierlich eingeweiht
bim. Bötersheim. Die Bestattungskultur befindet sich im Wandel. Da Familien berufsbedingt häufig in alle Himmelsrichtungen verstreut leben, gestaltet sich die Pflege einer konventionellen Grabstelle für die Angehörigen häufig schwierig. Der Trend geht zu pflegeleichten Urnengräbern. Und immer mehr Menschen möchten ihre letzte Ruhe im Wald unter Bäumen finden. Bei Familie von Rogister in Bötersheim hat diese Bestattungsform seit über 130 Jahren Tradition. Um mehr Menschen diese Möglichkeit zu bieten, eröffneten die Familie jüngst ihren Bestattungswald in Bötersheim. "Hier pflegt die Natur", so Betreiber Thilo von Rogister.
Elf Hektar des familieneigenen Waldes sind für 99 Jahre als Friedhof gewidmet, auf 3,5 Hektar sind bisher Ruhebiotope eingemessen worden. 380 Bäume stehen für Bestattungen - zwölf je Baum - zur Verfügung.
Der Bestattungswald ist ein kommunaler Friedhof in Trägerschaft der Samtgemeinde Tostedt. "Wir betreiben das als Familie, ohne überregionale Organisation", erläutert Thilo von Rogister.
"Das Schöne am Bestattungswald ist, dass die Bäume nicht forstwirtschaftlich genutzt, sondern alt werden und vielen Tieren und Pflanzen als Lebensraum dienen. Die Urnen sind biologisch abbaubar. Es wurde auch bestätigt, dass es für das Wasser keine Probleme gibt", sagt er.
Die Familienmitglieder der von Rogisters werden schon lange im Bötersheimer Wald bestattet. "Konrad Merta von der Forstbetriebsgemeinschaft hatte uns öfters ermuntert, einen Bestattungswald einzurichten. Vor vier Jahren haben wir mit der Planung begonnen." Bei Gemeinde und Samtgemeinde sei das Vorhaben positiv aufgenommen worden. Der zunächst angedachte Standort rund um die Erbbegräbnisstätte der Familie wurde jedoch von der Naturschutzbehörde als nicht geeignet angesehen, sodass der Bestattungswald jetzt auf der anderen Seite des Dorfes eingerichtet wurde.
Und - auch wenn der Bestattungswald Konkurrenz zu den konventionellen Friedhöfen ist - pflege das Gut Bötersheim enge Kontakte zur Johannes-Kirchengemeinde in Tostedt. Diese seien auch historisch begründet. "Als 1880 die Johanneskirche neu gebaut und dabei die Familiengruft aufgelöst wurde, ist die Erbbegräbnisstätte in den Bötersheimer Wald östlich des Dorfes umgezogen", erläutert Thilo von Rogister zu den Grabstellen im Wald auf der anderen Seite des Dorfes.
Daher hielt Tostedts Pastor Gerald Meier die erste Andacht auf dem dafür vorgesehenen Platz. "Der Wald zieht Menschen seit jeher an. Er vermittelt Ruhe, Geborgenheit und Trost", sagte er. Pastor Meier segnete die hierher kommenden Menschen. "Möge dieser Wald ein behüteter und bergender Ort werden", wünschte er.
Ein Besichtigungstermin des Bestattungswaldes findet am Samstag, 22. Oktober, um 14 Uhr statt. Weitere Infos gibt es unter www.bestattungswald-boetersheim.de.
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