Ein sportlicher Quantensprung
bc. Neu Wulmstorf. Das Abi hat er seit Donnerstag in der Tasche, jetzt wagt Torwart-Talent Alkan Tunca den Sprung in die 1. Liga - aber nicht in Deutschland. Gut 3.500 Kilometer entfernt von seiner Heimat Neu Wulmstorf will der 20-Jährige in Südostanatolien in der türkischen Millionenstadt Gaziantep Fuß fassen - im Haifischbecken Profi-Fußball. Am nächsten Wochenende startet sein großes Abenteuer. Sein neuer Verein heißt dann Gaziantepspor Kulübü. Ein sportlicher wie auch kultureller Quantensprung.
Alkan hat zwar türkische Wurzeln, ist aber in Deutschland geboren, aufgewachsen und kennt die Türkei nur aus dem Urlaub. "Klar ist das ein Riesenschritt, aber ich fühle mich bereit", sagt der selbstbewusste Keeper, dem Experten eine große Karriere prophezeien.
Bis vergangene Saison spielte Alkan für die U23-Mannschaft des FC St. Pauli in der Regionalliga. Oft nur vor wenigen hundert Zuschauern. Künftig läuft er bei Heimspielen vor rund 20.000 heißblütigen Fans auf. Vorerst als zweiter Torwart, aber das soll sich möglichst schnell ändern. "Natürlich möchte ich irgendwann Stammtorhüter werden", unterstreicht Alkun.
Beim Kiezclub hatte er lediglich die Aussicht auf Torwart Nummer drei in der 2. Liga. Das war dem ehrgeizigen 1,90 Meter-Mann nicht genug. Im Frühjahr traf er sich am Rande eines Turniers mit der türkischen U19-Jugendnationalmannschaft mit Verantwortlichen des Traditionsvereins unweit der Grenze zu Syrien. Schnell wurde man sich einig. "Der Verein steckt im Umbruch. Ich will meine Chance nutzen", sagt Alkan.
In Neu Wulmstorf verlässt er seine Eltern und seinen kleinen Bruder. Sein großes Zimmer im Dachgeschoss steht erstmal leer. Die zahlreichen Pokale und Auszeichnungen bleiben hier. Schon als kleiner Steppke kickte Alkan die Bälle durchs Wohnzimmer, da konnte er gerade auf den eigenen Füßen stehen. "Ich weiß schon, wieso ich bis heute keine Glas-Deko aufgestellt habe", schmunzelt Alkans Mama.
Beim TVV Neu Wulmstorf fing alles an. Von dort ging es in der E-Jugend zum FC Süderelbe, über Stationen bei Concordia Hamburg und dem HSV landete Alkan beim FC St. Pauli. Ein Glücksfall. Hier lernte er seinen großen Förderer Klaus Thomforde kennen. Der ehemalige Erstliga-Keeper ist durch seine emotionale Art als "Tier im Tor" bekannt. Auch Alkan macht sich auf dem Platz gerne lautstark bemerkbar. "Klaus Thomforde ist ein toller Torwart-Trainer. Mit ihm habe ich mich super verstanden."
Das Tor zu hüten, hat in der Familie Tunca Tradition. Auch Alkans Vater stand schon zwischen den Pfosten. Wenn er derzeit WM im TV schaut, bewundert Alkan das Spiel von Deutschlands Torwart Nummer eins Manuel Neuer. Früher war Oliver Kahn sein Idol. Der war mal Welttorhüter. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg für Alkan. Ähnlich erfolgsbesessen wie der Titan ist er aber jetzt schon.
Redakteur:Björn Carstens aus Buxtehude |
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