Windkraft gerät in Konflikt mit dem Sport
Luftsportverein Holtorfsloh ist in Sorge: Unternehmen will vor Gericht die Genehmigung für eine Windkraftanlage in der Nähe des Fluglatzes erwirken. Der Flugbetrieb wäre gestört
ts. Seevetal. Im Landkreis Harburg sinkt offensichtlich die Lust am Ausbau der Windenergie. Initiativen, Verbände und Bürger haben bei der Öffentlichkeitsbeteiligung zu der vierten Auslegung des Regionalen Raumordnungsprogramms ihre schwerwiegenden Bedenken zum Ausdruck gebracht.
Auch auf Bundesebene zeichnet sich eine Initiative ab, die Windkraftgegnern Auftrieb gibt: Das Land Brandenburg kündigte im Spätsommer eine Initiative an mit dem Ziel, die Windkraftprivilegien aus dem Bundesbaugesetz zu streichen.
Anwohner sind von dauerhaften Geräuschen und störenden Schatten genervt. Auf der Suche nach geeigneten Flächen im Landkreis Harburg gerät die Windkraft zunehmend in Konflikt mit dem Naturschutz, Landschaftsschutz und Vogelschutz - und jetzt auch mit dem Sport. Das Unternehmen Energie 3000 Energie- und Umweltgesellschaft will vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg die Genehmigung für den Betrieb einer Windkraftanlage in der Nähe des Flugplatzes Holtorfsloh erzwingen, nachdem der Landkreis Harburg diese abgelehnt hat.
Der Luftsportverein Holtorfsloh blickt mit Sorgen auf die Verhandlung am 15. November. Denn das Windrad würde den Flugbetrieb der Segel- und Motorsportler stark beeinträchtigen, wenn nicht sogar in seiner Existenz gefährden.
Seit 52 Jahren gehören der Luftsport und der Flugplatz zu Holtorfsloh und machen das 260-Einwohner-Dorf in der Gemeinde Seevetal überregional bekannt. Die 20 Mitglieder des am 15. März 1966 gegründeten Luftsportvereins (LSV) Holtorfsloh machen sich sich ernsthafte Sorgen, dass die Freiheit über den Wolken ein Ende haben könnte. Grund: Eine geplante Windenergieanlage droht den Flugbetrieb empfindlich zu beeinträchtigen.
Zwar hat der Landkreis Harburg das Vorhaben der Energie 3000 Energie- und Umweltgesellschaft mbH mit Sitz in Alfstedt, eine etwa 150 Meter hohe Windkraftanlage des Typs E-82-E2 nahe des Flugplatzes in der Gemarkung Wulfsen errichten zu wollen, nicht genehmigt, weil die Luftfahrtbehörde ihre Zustimmung nicht erteilt hat.
Das Unternehmen geht aber vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg gegen den Landkreis Harburg vor und will die Genehmigung juristisch erzwingen. Das Verwaltungsgericht verhandelt den Fall am 15. November. Das Veto der Luftfahrtbehörde gilt juristisch nicht als K.-o.-Kritierium. Die beantragte Windkraftanlage liegt in einem Vorranggebiet für Windenergie.
Der Horizont ist weit über Holtorfsloh, der Platz aber doch begrenzt: Etwa ein Dutzend Windkraftanlagen stehen bereits im Umfeld des Flugplatzes. Wegen eines 200 Meter langen Windrades haben die Luftsportler bereits in der Vergangenheit ihre Idealabfluglinie aufgeben müssen.
Würde sich die Energie 3000 vor dem Verwaltungsgericht durchsetzen, würde der Luftsportverein erneut seine beste Anflug- und Landerichtung verlieren. "Mehr als 60 Prozent der Starts gehen in diese Richtung, in der das Windkraft stehen soll", sagt der LSV-Vorsitzende Eckart Grote. Er sieht die Existenz des Luftsportvereins bedroht. "Der Verein würde an Attraktivität verlieren, sollten die Startmöglichkeiten eingeschränkt werden", sagt er.
Auf 640 Starts kam der Flugplatz Holtorfsloh in diesem Jahr. Von der Windkraftanlage ausgelöste Verwirbelungen würden den Piloten zusätzliche Schwierigkeiten bereiten, befürchtet Eckart Grote, ein erfahrener Flieger. Zudem wolle der Verein vermeiden, Start- und Landeanflüge über benachbarte Ortschaften zu führen.
Der Luftsportverein beschränkt sich nicht nur auf seine Mitglieder. Er bietet Gastflüge bei erfahrenen Piloten an.
Redakteur:Thomas Sulzyc aus Seevetal | |
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