Tostedt
Erst Autos mit Eiern beworfen und jetzt mit einer Milchflasche
"Mich hat es heute früh um 2 Uhr getroffen. Ein Milchflaschen-Inferno am und im schwarzen Audi A6", berichtet WOCHENBLATT-Leser Jan F.* Bereits Anfang bis Mitte Juli trieben Eierwerfer in Tostedt ihr Unwesen, die u.a. reihenweise Autos in der Bahnhofstraße und entlang der B75 bis Wistedt mit Eiern bewarfen. Extrem ärgerlich, weil es schwierig ist, den klebrigen und mitunter stinkenden Schleim abzukratzen. Nachdem offenbar anderthalb Wochen Ruhe war, legen die Eierwerfer nun wieder los und werden - wie im Fall des Audi - aggressiver. Denn die Heckscheibe wurde durch eine aufs Auto geworfene Milchflasche zerstört.
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag seien auch erneut Fahrzeuge mit Eiern beworfen worden, sagt F., u.a. ein Oldtimer-VW. Marke und Alter der Fahrzeuge sind den Tätern offenbar egal.
Während es insbesondere Autos entlang der B75 und der Bahnhofstraße traf, sei eines Nachts auch die Moorhalle in Königsmoor mit Eiern beschmiert worden. Eine Nutzerin in einer Facebook-Gruppe beklagt: "Es werden Autos und Geschäfte mit Eiern und Milch beschmissen, Scheiben an Autos und Geschäften eingeschlagen und Stinkbomben in Banken und Apotheken platziert. Wie verroht ist unsere Gesellschaft, wenn mit Lebensmitteln, die auch immer teurer werden, Sachbeschägungen begangen werden, nur aus Langeweile und Spaß an Zerstörung?"
Der Polizei wurden bislang vier Fälle von Sachbeschädigung gemeldet und neun Fälle von Bewurf mit Eiern (ohne Schaden am Fahrzeug). "Die Dunkelziffer liegt sicher höher, da nicht alles der Polizei gemeldet wurde. Teilweise sind auch mehrere Fahrzeuge zeitgleich (bis zu 13) betroffen. Insgesamt wurden nach Kenntnis der Polizei ca. 30 Fahrzeuge bislang beschmutzt oder beschädigt", berichtet Polizeihauptkommissar Torsten Adam, Leiter der Polizeistation Tostedt, auf WOCHENBLATT-Anfrage. Zweimal standen die Eierwürfe in zeitlichem Zusammenhang mit Eierdiebstählen auf Verkaufsständen.
Das reine „Verschmutzen“ sei weder straf- noch ordnungwidrigkeitenrechtlich verfolgbar. Die Geschädigten könnten sicher auf dem Zivilrechtsweg die Kosten für die Reinigung einklagen. Zu den Verursachern gebe es allerdings bislang keine Erkenntnisse. Der Wurf auf ein fahrendes Auto könnte in bestimmten Fällen eine Straftat - ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr - sein, wenn der Fahrer nach dem Eierwurf auf die Windschutzscheibe nichts mehr sieht und verunfallt. Eine Sachbeschädigung ist es nur, wenn tatsächlich ein Schaden entsteht.
Für eine Sachbeschädigung sieht der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe vor, für einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe. Dazu kommen die zivilrechtlichen Forderungen der Geschädigten, erläutert Adam.
Die Vorfälle sind also alles andere als ein Dumme-Jungen-Streich.
• Der Besitzer des beschädigten Audi hat Anzeige erstattet. Er hofft, dass eventuell jemand mit Dashcam oder Wildkamera die Täter fotografiert oder gefilmt hat und sich ebenso bei der Polizei Tostedt meldet wie weitere Geschädigte unter Tel. 04182-404270.
*Name der Redaktion bekannt
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