Zu "groß" für das kleine Langenrehm - Neubauprojekt abgeschmettert

- Ortsbildprägende Bebauung: Ein leerstehendes Gehöft an der Dorfstraße...
- Foto: Planungsbüro Patt
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mi. Emsen-Langrehm. Tiefste Provinz: Den Eindruck konnte bekommen, wer jetzt an der Ortsratssitzung in Emsen-Langenrehm teilnahm. Auf der Tagesordnung stand ein Bauprojekt, das der Langenrehmer Steffen Lücking auf seinem 9.000 Quadratmeter Grundstück im Ortskern an der Langenrehmer Dorfstraße verwirklichen wollte, um Wohnraum zu schaffen und den Tourismus zu fördern, wie er sagte. Das Vorhaben wurde abgeschmettert. Der Investor spricht von persönlichen Ressentiments, die Anwohner bezichtigen ihn der Falschaussage und werfen ihm vor, den Ort zu verschandeln.
„Die Dachform der Häuser passt hier nicht her.“ „Auf einen Schlag fast 50 neue Einwohner, das ist zu viel für den Ort.“ „Wo sollen die vielen Autos stehen?“ - diese Bürgerkommentare vermitteln den Eindruck: Was Steffen Lücking plant, scheint zu groß für das kleine Dörflein Langenrehm. Wie berichtet, wollte Lücking auf seinem Grundstück drei Häuser mit Mietswohnungen für ca. 50 Neubürger schaffen, dazu sollten Ferienwohnungen für ebenso viele Gäste kommen.
Der Ortsrat teilte die Bedenken der Bevölkerung und lehnte das Projekt ab. Stattdessen wurde beschlossen, sich bei der Gemeinde dafür einzusetzen, dass ein Bebauungsplan für das Grundstück aufgestellt wird. Es wäre nicht das erste Mal.
Hintergrund: 2008 hatte sich die Vorbesitzerin der Fläche mit einem Bauvorhaben an Ortsrat und Gemeinde gewandt. Auch damals wollte man einen B-Plan aufstellen. Passiert ist das bis heute nicht.
Steffen Lücking nahm das Votum des Ortsrats hin und kündigte gleichzeitig an: „Ich kann da auch hässliche Hallen bauen, fragt sich, ob das dem Ortsbild eher entspricht.“
Hat man im beschaulichen Langenrehm wirklich solche Angst vor Veränderung? Wohl kaum, schließlich baut auf der anderen Seite des Investoren-Grundstücks derzeit das Freilichtmuseum am Kiekeberg mit Segen des Ortsrats die historische Stellmacherei zu einem Museum samt Café aus. Besuchermassen plus Pkw-Ansturm sind programmiert. Wer sich umhört, kommt schnell zu dem Schluss, dass der Widerstand der Bevölkerung gegen die Lücking-Pläne eher in der Person des Antragstellers als in der Sache an sich zu suchen ist.
Hintergrund: Steffen Lücking ist im Landkreis als „Macher“ bekannt, der schon verschiedene Bauvorhaben erfolgreich abgeschlossen hat. Im eigenen Dorf hat er allerdings wohl einen schweren Stand. Es soll vor allem um ein anderes Grundstück gehen, auf dem Lücking angeblich zugesagt habe, ein altes Gehöft zu erhalten, es dann aber abgerissen hat.
Mit dem Vorwurf konfrontiert, erklärt Steffen Lücking das Gehöft sei so baufällig gewesen, dass dessen Giebel eingestürzt seien. Er habe sofort zugesagt, das Gebäude wieder aufzubauen, was die Gemeinde Rosengarten verboten habe. Die Fronten zwischen Steffen Lücking und Teilen der Ortsbevölkerung scheinen also verhärtet. Der Streit strahlt dabei offenbar bis in den Ortsrat aus.
Allerdings: Mit dem kompromisslosen Abschmettern des Vorhabens könnte die Politik Langenrehm einen Bärendienst erwiesen haben. Nach WOCHENBLATT-Information hapert es nämlich beim Prestige-Projekt „Stellmacherei Langenrehm“ noch an einem neuralgischen Punkt: Es fehlen Pkw-Stellplätze für Besucher. Welch Ironie, die dafür benötigten Flächen gehören ausgerechnet Steffen Lücking. Ob das in der Provinz ansonsten gültige Prinzip: „Eine Hand wäscht die andere“ hier noch funktioniert, ist dabei fraglich...
Redakteur:Mitja Schrader |
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