Wildblumen sind gut für die Natur
Biodiversität am Straßenrand
Trotz des ein oder anderen Gewitterregens - alle Pflanzen leiden enorm unter der Trockenheit. Alle Pflanzen? Nein. An der Bremer Straße blüht es - und wie! Wegwarte mit blauen Korbblüten, Wilde Möhre, weißer Steinklee, Wiesen-Flockenblume, Natternkopf, Garten-Salbei und viele andere Wildblumen locken Insekten und bitten um Bestäubung. Die Blütenpracht entspricht freilich nicht dem Klischee des kuratierten Gartenbeets. Zwischen den Blumen stehen Gräser, Verblühtes und anderes Kraut. „Das ist so gewollt“, erläutert der Grünplaner der Stadt, Thomas Söller. „Gerade dadurch, dass wir nicht dauernd eingreifen, entwickeln sich so abwechslungsreiche Pflanzengesellschaften auf unseren innerstädtischen Extremstandorten wie etwa an der Bremer Straße.“ Die Pflanzen brauchten noch Zeit, damit die Samen ausreiften, sodass daraus im nächsten Jahr eine neue Generation entstehen könne. „Deshalb wird alles was die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt noch nicht gemäht, sondern bleibt mindestens bis September stehen“, begründet Söller. Der Verzicht hat Konsequenzen. „Wenn viele verschiedene heimische und standortgerechte Pflanzen über einen langen Blühzeitraum ihren Nektar anbieten, kommen die Insekten zurück“, weiß der 63-Jährige.
Wildbienen, Schwebwespen, Schmetterlinge, Spinnen und Käfer fänden Nahrung bis in den Frühherbst und vermehrten sich. Das wirke sich wiederum auf die Nahrungskette aus. „Sind genügend Insekten in der Stadt, locken die Mauersegler und sogar Fledermäuse an“, erzählt Söller. Anders formuliert: Die von manchen als „Kraut und Rüben“ geschmähte Ästhetik der Straßenbeete hat weitreichende Folgen - sie fördert die Biodiversität im urbanen Raum. „Manche der Pflanzen sind stark genug, sich unter den Bedingungen des Klimawandels auf unseren hitze- und trockenheitsbelasteten Flächen zu behaupten, andere werden möglicherweise wieder verschwinden“, beschreibt Söller die Dynamik der städtischen Pflanzengesellschaft. „Hätten wir hier zum Beispiel Stauden gepflanzt, kämen unsere Gärtner mit dem Bewässern gar nicht hinterher.“ Söller weiß dabei die Umweltverbände hinter sich. „Wir sind uns einig, dass sehr viele eher extensiv gepflegte Grünflächen fast immer ökologisch wertvoller sind als intensiv gepflegte“, heißt es in einer Pressemitteilung der Naturfreunde Buchholz. Insbesondere, dass weniger gemäht werde, gebe der Natur die Chance, auf Wiesen und Grünstreifen, an Böschungshängen mit
sandigen Böden und in guter Sonnenlage, Blühpflanzen hervor zu bringen. Söllers Fazit fällt denn auch eindeutig aus: „Extensive Pflege nicht nur unserer Straßenbeete ist gut für die Natur und unsere Stadt.“
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