Landkreis Stade
Trauriges Schicksal in Horneburg: Katzenhalter stirbt einsam im Messie-Haus

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lt. Horneburg. Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, Ponys toben ausgelassen auf der Weide: dass inmitten dieser Idylle - im Schatten hoher Bäume, direkt an einem beliebten Rad- und Wanderweg entlang der Bahngleise zwischen Horneburg und Dollern - jahrelang ein Mann in unvorstellbaren Zuständen im wahrsten Wortsinn hauste, kam erst nach dessen Tod ans Licht. Etwa zwei Monate lang lag der Verstorbene in seinem völlig mit Unkraut und Rankpflanzen zugewucherten Backsteinhaus, bevor Mitarbeiter des Horneburger Ordnungsamtes und der Polizei ihn zwischen Müllsäcken und Katzenkratzbäumen fanden.
Soziale Kontakte zu Mitmenschen hatte der pensionierte Hafenarbeiter, der womöglich an dem Messie-Syndrom (siehe Kasten) litt, offenbar schon länger keine mehr. Er lebte so abgelegen, dass selbst der Postbote nie den Weg zu ihm fand. Der Briefkasten des Mannes steht etwa zwei Kilometer vom Wohnhaus entfernt am Ortseingang von Horneburg.
Irgendwann bemerkte aber doch jemand, dass der adrett gekleidete Mann mit Cowboyhut, der nach WOCHENBLATT-Informationen Harley-Fahrer gewesen und nett, hilfsbereit und gutmütig aufgetreten sein soll, länger nicht mit seinem silberfarbenen Geländewagen im örtlichen Netto-Markt einkaufen war.
Dort holte der Einzelgänger, der nie negativ aufgefallen war, u.a. Nachschub an Katzenfutter und Streu für seine geliebten Samtpfoten, für die er an seinem Haus ein großes Außengehege gebaut hatte.
Den Katzen ist es letztendlich auch zu verdanken, dass das Schicksal des Horneburger Eremiten öffentlich wurde. Denn nachdem der an einem natürlichen Tod verstorbene Mann gefunden worden war, spielte sich im Schatten des Messie-Hauses ein kurzes Katzendrama zwischen der Samtgemeinde Horneburg und der Tierhilfe Stade ab.
Beate Dowson, Vorsitzende des Tierschutzvereins, war auf streunende Katzen aufmerksam gemacht geworden, die sich rund um das Haus und womöglich auch noch im Gebäude aufhalten sollten. In Absprache mit der Samtgemeinde konnten Dowson und eine Helferin schließlich drei Katzen des Verstorbenen einfangen. Als die Tierschützer danach noch einmal nach weiteren Tieren suchen wollten, sei das Haus plötzlich versiegelt gewesen, so Dowson. Sie kritisiert, dass die Samtgemeinde zu wenig zur Rettung der Hauskatzen unternommen und den Tieren nicht einmal Futter hingestellt habe, nachdem der Tote geborgen worden war. Die Tierschützerin schaltete daraufhin das Veterinäramt des Landkreises ein. Samtgemeinde-Bürgermeister Matthias Herwede betont, dass alles ordnungsgemäß abgelaufen sei.
Das Haus des Einsiedlers wurde inzwischen an das Nachlassgericht übergeben. Finden sich keine Erben des Mannes, fallen Haus und Grundstück an das Land Niedersachsen. Für die Bestattungskosten muss die Samtgemeinde Horneburg aufkommen.
Eine positive Seite hat die traurige Geschichte immerhin. Die eingefangenen Katzen haben inzwischen ein neues Zuhause gefunden. "So haben wir dem Katzenfreund, der im Haus viele Bilder seiner geliebten Tiere an den Wänden hängen hatte, sicher einen letzten großen Gefallen erwiesen", sagt Beate Dowson. Über das "menschliche Schicksal" des Einzelgängers sei sie nach wie vor entsetzt.
• www.tsv-tierhilfestade.de

Der Begriff Messie steht umgangssprachlich für eine Störung, die Wissenschaftler als "zwanghaftes Horten" bezeichnen. Betroffene sammeln verschiedenste Dinge, von denen sie sich nicht trennen können und versinken immer mehr im Chaos. Mediziner schätzen, dass allein in Deutschland 300.000 Menschen am Messie-Syndrom leiden, es kursieren jedoch auch Zahlen von bis zu zwei Millionen.
Betroffene und Angehörige bekommen Hilfe beim Sozialpsychiatrischen Dienst des Landkreises Stade unter Tel.: 04141 - 125381.

Der Verstorbene outete sich auch mit
diesem Schild an seinem 
Auto als Katzenfreund
Völlig zugewuchert: Die Haustür liegt hinter einem Brennessel-Wald Fotos: lt
Der Briefkasten des Toten steht zwei Kilometer vom Wohnhaus entfernt
Redakteur:

Lena Stehr

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