Ortsbrandmeister zieht auf Versammlung Bilanz
Stader Feuerwehr rettet 319 Menschen aus Notlagen
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| Foto: Feuerwehr Stade"
- Ortsbrandmeister Stephan Woitera (2. v. re.), sein Stellvertreter Thomas Woitera sowie Stadtbrandmeister Klaus Ney (2. v. li.) und dessen Vize Wilfried Sprekels (li.) nehmen das neue Ehrenmitglied Peter Köhn in ihre Mitte
- Foto: Feuerwehr Stade
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Die Freiwilligen der Ortsfeuerwehr Stade hatten im vergangenen Jahr alle Hände voll zu tun. Ortsbrandmeister Stephan Woitera zog kürzlich auf der Jahreshauptversammlung Bilanz. Es sprach von einem "heißen" Jahr für die Stader Feuerwehr: Mit 235 Brandeinsätzen war 2024 eines der einsatzreichsten Jahre – es handelt sich um die dritthöchste Zahl in der Geschichte der Stader Ortsfeuerwehr. Insgesamt wurden 593 Einsätze verzeichnet. Mit 168 Aktiven, darunter 22 Frauen, kann die Stader Feuerwehr die Mitgliederzahl in der Einsatzabteilung konstant halten. Der Altersdurchschnitt liegt bei knapp 37 Jahren. Woitera bezeichnet die Personalsituation als "sehr gut".
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- Ortsbrandmeister Stephan Woitera zog auf der Jahreshauptversammlung der Stader Feuerwehr Bilanz
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Neun Einsätze an einem Tag
Einsatzreichster Tag des vergangenen Jahres war der 4. September mit neun Einsätzen. Besonders ins Schwitzen kamen die Feuerwehrleute zum Jahresende: Allein in den Zeitraum von Heiligabend bis Silvester fielen 19 Einsätze. Auch nachts waren die Freiwilligen gefordert: 111 Einsätze fanden zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens statt. Besonders arbeitsintensiv waren die Wochenenden: 197 Einsätze erfolgten zwischen Freitagnachmittag und Montagmorgen. Eine Zahl aus Woiteras Statistik ist besonders hervorzuheben: 319 Menschen wurden von der Feuerwehr Stade im Jahr 2024 gerettet, betreut oder aus Notlagen befreit. Damit wurde die Zahl aus dem Vorjahr (282) deutlich übertroffen.
Brennende Bienenstöcke
Die Feuerwehrleute rückten im Vorjahr zu insgesamt neun Großbränden aus. Jeweils vier davon ereigneten sich auf Stader Stadtgebiet, vier weitere in Kehdingen und bei einem Großbrand unterstützten die Stader Feuerwehrleuten die örtlichen Feuerwehren im Landkreis Cuxhaven. 13 Einsätze fallen in die Kategorie Mittelbrände - wie etwa zuletzt ein brennender Wohncontainer in einer Stader Asylunterkunft Mitte Dezember. Bei den sogenannten Klein- und Entstehungsbränden war laut Woitera so gut wie alles dabei, was brennt. Die Palette reicht vom kokelnden Essen auf dem Herd über brennende Bienenstöcke bis zur versuchten Sprengung eines Zigarettenautomaten. Die durch die Löscheinsätze der Stader Feuerwehr geretteten Sach- und Gebäudewerte schätzt Woitera auf rund sechs Millionen Euro.
Hunderte Hilfeleistungen
Aber nicht nur das Bekämpfen von Bränden gehört zu den Aufgaben der Feuerwehrleute. Sie absolvierten im vergangenen Jahr zudem 358 Hilfeleistungseinsätze. Dazu zählen u.a. 13 Verkehrsunfälle, 14 Wasserrettungen und 31 Umwelteinsätze - darunter fällt auch ein Großeinsatz an einer Stader Schule, wo 61 Schüler nach dem mutmaßlichen Versprühen von Reizgas behandelt werden mussten. Sechsmal ging es um die Rettung von Tieren und 27-mal leistete die Feuerwehr Tragehilfe für den Rettungsdienst, wobei in fast zwei Drittel der Fälle die Drehleiter zum Einsatz kam. Außerdem werden regelmäßig Brandsicherheitswachen gestellt. In die Kategorie "sonstige Hilfeleistungen" fallen drei erfolgreiche Personensuchen und eine kuriose Rettung eines Kindes, das sich den Finger in einem Gartentisch eingeklemmt hat.
Fuhrpark wird immer älter
Bei der Modernisierung des Fuhrparks gab es 2024 Fortschritte: Im November wurde ein neuer Einsatzleitwagen (ELW) für den Zug II übernommen. Nach einer Schulungsphase wurde das Fahrzeug noch im Dezember in Dienst gestellt. Ein weiteres Fahrzeug für den Zug II ist bereits in Auftrag gegeben, wird aber voraussichtlich erst 2026 ausgeliefert. Für den Zug I wurde zudem ein neues Tanklöschfahrzeug (HLF20) ausgeschrieben. Dieses soll das aktuelle Fahrzeug ersetzen, das bereits seit 25 Jahren im Dienst ist und jährlich 150 Einsätze fährt. Die Auslieferung des Feuerwehrautos wird jedoch erst Ende 2027 oder Anfang 2028 erwartet.
Probleme mit den Drehleitern
Trotz dieser Neuanschaffungen bleibt der Fuhrpark alt: Der aktuelle Altersschnitt der elf Großfahrzeuge liegt bei 18,6 Jahren. Betrachtet man alle Feuerwehrfahrzeuge, sind diese durchschnittlich 16,8 Jahre alt. Angesichts der langen Beschaffungszeiten bei Neufahrzeugen dürfte dieser Wert in den kommenden Jahren weiter steigen. Als "bedenklich" bezeichnete Woitera ist die technische Zuverlässigkeit der beiden Drehleitern, die 18 bzw. 23 Jahre alt sind. Um das Problem deutlich zu machen, führte ein paar Beispiele auf:
- 🔧 Drehleiter Zug II: Mehrfacher Werkstattaufenthalte im Sommer wegen Startproblemen.
- 🔧 Drehleiter Zug I: Ein Defekt am Rettungskorb besteht seit Juni 2024 und ist immer noch nicht behoben.
- 🔧 Drehleiter Zug I: Ganz aktuell vom Januar ein Totalausfall des Leiterparks. Zum Glück ereignete sich die Panne nur beim Abnehmen einer Lichterkette und nicht bei einem Löscheinsatz.
Woitera wies in diesem Zusammenhang eindringlich darauf hin, "dass die Feuerwehr nur mit den beiden Drehleitern den zweiten Rettungsweg oberhalb des zweiten Obergeschosses sicherstellen kann".
Ehrenmitglied der Feuerwehr
Nach 47 Jahren engagierten Dienstes wurde Oberbrandmeister Peter Köhn in die Alters- und Ehrenabteilung der Ortsfeuerwehr Stade aufgenommen. Seit seinem Eintritt im Jahr 1977 durchlief er zahlreiche Führungspositionen, darunter als stellvertretender Ortsbrandmeister und Zugführer. Im August absolvierte er seinen letzten Einsatz unter Atemschutz, wenige Tage vor seinem 67. Geburtstag. Kurz danach wurde Köhn feierlich verabschiedet, begleitet von einer Ehrenübung mit beiden Zügen der Ortsfeuerwehr. In Anerkennung seines langjährigen Einsatzes wurde er am einstimmig zum Ehrenmitglied der Stader Ortsfeuerwehr ernannt – mit Zustimmung der Hansestadt Stade.
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Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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