Polizei veröffentlicht Kriminalitätsstatistik 2024
Zahl der Straftaten im Landkreis Stade um elf Prozent gesunken

- Die Grafik zeigt die Entwicklung bei den registrierten Straftaten im Bereich der Polizeiinspektion Stade
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Die Polizeiinspektion (PI) Stade kann für das Jahr 2024 eine positive Entwicklung bei der Kriminalitätslage verzeichnen. Die Zahl der erfassten Straftaten ist um elf Prozent auf etwas mehr als 10.000 Fälle gesunken. Das sind rund 1.200 Taten weniger im Vergleich zum Vorjahr. Die PI Stade, deren Bereich den gesamten Landkreis umfasst, verzeichnet damit bei den Fallzahlen den dritthöchsten prozentualen Rückgang aller Polizeiinspektionen in Niedersachsen. Mit einer Aufklärungsquote von 63 Prozent setzte die Polizeiinspektion Stade die erfolgreiche Ermittlungsarbeit der vergangenen Jahre fort. Die Quote ist gegenüber 2023 leicht um einen Prozentpunkt gesunken. Die Zahlen finden sich in der polizeilichen Kriminalstatistik 2024 für den Landkreis Stade, die jetzt veröffentlicht wurde.
Rückgang bei Erwachsenen, Anstieg bei Kindern
Im Berichtsjahr 2024 wurden im Bereich der Polizeiinspektion Stade 4.782 Tatverdächtige ermittelt. Dies entspricht einem Rückgang von sechs Prozent. Ein besonders starker prozentualer Zuwachs ist bei den Kindern bis 13 Jahren zu erkennen: Die Zahl der Tatverdächtigen stieg hier um acht Prozent auf 269 Fälle. Auch bei den Heranwachsenden (18 bis 20 Jahre) gab es einen leichten Anstieg um ein Prozent auf 407 Tatverdächtige. Dagegen sind die Zahlen bei den Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) gesunken (509 Tatverdächtige; minus 3,8 Prozent). Noch deutlicher fällt der Rückgang bei den Erwachsenen (ab 21 Jahren) aus: Hier wurden 3.597 Tatverdächtige ermittelt, was einem Rückgang von acht Prozent entspricht.
Hoher Ausländeranteil bei Tatverdächtigen
Rund 66 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen waren deutsche Staatsbürger. Die Zahl der deutschen Tatverdächtigen sank im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 3.191 Personen. Die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen ging ebenfalls leicht zurück – um 3,8 Prozent auf 1.591 Personen. Das Verhältnis von deutschen zu ausländischen Tatverdächtigen lag damit im Jahr 2024 bei zwei Drittel zu einem Drittel. Der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger bei Straftaten liegt damit deutlich über ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung. Zum Vergleich: Der Ausländeranteil im Landkreis Stade beträgt derzeit 13 Prozent.
Die Mehrheit der Tatverdächtigen stammt aus der eigenen Kommune (58 Prozent). Gesunken sind die Zahlen bei Tatverdächtigen, die außerhalb Niedersachsens wohnen (minus zehn Prozent) oder ohne festen Wohnsitz sind (minus 18,6 Prozent). Besonders auffällig ist der Rückgang um 19 Prozent bei Tatverdächtigen, die nicht in Deutschland wohnhaft sind. Dies könnte darauf hindeuten, dass mobile Tätergruppen weniger aktiv waren oder sich durch schärfere Kontrollmaßnahmen abschrecken ließen.

- Die Fallzahlen im Landkreis Stade - aufgeteilt nach der Polizeiinspektion Stade und dem Polizeikommissariat Buxtehude. Die Linien stellen die Aufklärungsquote dar
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Das sind die Schwerpunkte der Kriminalitätsentwicklung:
- Straftaten gegen das Leben: Die Zahl der erfassten Fälle blieb mit fünf Delikten konstant, darunter jeweils zwei Fälle von Mord und Totschlag sowie ein Fall von fahrlässiger Tötung.
- Sexualdelikte: Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (z. B. Vergewaltigung, Kinderpornografie, sexueller Missbrauch von Kindern) wurde ein Anstieg von 15,2 Prozent auf 363 Fälle verzeichnet. Besonders auffällig ist die Zunahme der Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung (plus 61,5 Prozent).
- Gewaltkriminalität: Die Zahl der sogenannten Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit stieg leicht um 2,2 Prozent auf 1.950 Fälle. Darunter befanden sich 1.307 Fälle von Körperverletzung.
- Einfache Diebstahlsdelikte: Hier zeigt sich ein Abwärtstrend mit einem Rückgang um 12,7 Prozent auf 2.246 Fälle. Ladendiebstähle machen dabei weiterhin fast 40 Prozent aus, sind aber um 20,3 Prozent zurückgegangen.
- Schwere Diebstähle: In diesem Bereich ist ein Rückgang von 14,9 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt wurden 1.362 Fälle erfasst.
- Wohnungseinbrüche: Mit 151 Fällen wurde ein leichter Anstieg um 5,6 Prozent verzeichnet. Die Aufklärungsquote sank jedoch deutlich auf 17,2 Prozent.
- Betrugsdelikte: Die Zahl der Vermögens- und Fälschungsdelikte (1.469) sank um 19,3 Prozent, insbesondere aufgrund eines starken Rückgangs von Waren- und Leistungsbetrug.
- Auto- und Fahrraddiebstähle: Hier sanken die Zahlen deutlich. Beim Autodiebstahl gab es 32 Fälle (minus 30,4 Prozent), während die Zahl der Fahrraddiebstähle von 829 auf 453 sank, was einem Rückgang von immerhin 45,4 Prozent entspricht.
- Rauschgiftdelikte: Mit 317 Fällen wurde ein massiver Rückgang um 46,3 Prozent festgestellt. Dies ist vor allem auf eine geringere Anzahl an registrierten Verstößen beim Besitz von Cannabis zurückzuführen.
Das waren im vergangenen Jahr die Aufklärungsquoten zu den einzelnen Deliktarten:
- Mord und Totschlag: 100 Prozent
- Sexualstraftaten: 92,3 Prozent
- Körperverletzungen: 91,7 Prozent
- Schwere Diebstähle: 18,3 Prozent
- Einfache Diebstähle: 50 Prozent
- Betrugsdelikte und Fälschungen: 70,1 Prozent
- Rauschgiftdelikte: 94 Prozent
- Autodiebstähle: 28,1 Prozent
- Fahrraddiebstähle: 12,1 Prozent

- Polizeioberrat Martin Kaliebe bei der Vorstellung der Zahlen
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Deutlicher Rückgang bei den Fallzahlen
Die sogenannte Kriminalitätsbelastung – also die Quote der Straftaten in Relation zur Bevölkerungszahl – liegt im Landkreis Stade mit 4.735 Straftaten pro 100.000 Einwohner weiterhin deutlich unter dem niedersachsenweiten Durchschnitt. Polizeioberrat Martin Kaliebe, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion Stade, zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung: "Erstmals seit Jahren haben wir einen deutlichen Rückgang der Fallzahlen im Landkreis Stade zu verzeichnen. Bei der Aufklärungsquote konnten wir die erfolgreiche Ermittlungsarbeit der letzten Jahre fortsetzen und einen hohen Wert halten." Dennoch gibt es Herausforderungen. So wurden 75 Fälle mit Stichwaffen registriert, was einen Anstieg um 19 Prozent bedeutet. Auch die Gewalt gegen Polizeibeamte bleibt mit 62 Fällen weiterhin ein Problemfeld.



Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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