Was können Unternehmen für pflegende Personen tun
Wer Angehörige pflegt, fehlt im Beruf

Die Herausforderungen von Pflege und Berufstätigkeit auch für Unternehmen schilderten (v. li.) Dr. Alexander Stark (Landkreis), Nikolaus Lehmberg (Interessengemeinschaft e.V. InGe), Kerstin Emmerichs (Demenzbeauftragte), Cecile Meyer-Bartsch (Mölders Holding), Andrea Kowalewski (Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft) und Ulrike Boje (wir pflegen e.V. Niedersachsen) | Foto: Landkreis Harburg
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Nicht nur kleine Kinder benötigen Pflege und Betreuung. Angesichts der demografischen Entwicklung haben sich immer mehr Menschen auch um andere pflegebedürftige Angehörige wie die eigenen Eltern, aber auch erwachsene Kinder oder Ehepartner zu kümmern – und damit bekommt die Frage nach einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine neue Dimension.
Doch nicht nur für die Beschäftigten, auch für die Unternehmen bekommt die Frage, wie sich Berufstätigkeit mit der Pflege Angehöriger zu verbinden lässt, eine besondere Bedeutung – mit weitreichenden Folgen. Denn wenn die Versorgung nicht gesichert ist, fallen Angehörige am Arbeitsplatz aus, reduzieren Stunden oder geben die Erwerbstätigkeit sogar ganz auf. „Wer keinen ambulanten Dienst für seine Mutter oder keinen Heimplatz für seinen Vater findet, fährt morgen keinen ICE und baut auch keine Wärmepumpen ein“, beschrieb Nikolaus Lehmberg von der Interessengemeinschaft „InGe“ bei der jüngsten Veranstaltung der Reihe „Wirtschaftsförderung vor Ort“ die Situation.

Wer pflegt, fehlt am Arbeitsplatz

Die Stabsstelle Kreisentwicklung / Wirtschaftsförderung / Mobilität des Landkreises Harburg und die Gemeinde Seevetal hatten zu der Veranstaltung mit dem Titel „Wer pflegt, fehlt am Arbeitsplatz – Pflegerische Versorgung und Strategien für den Arbeitgeber“ eingeladen. Die Teilnehmer erhielten dabei nicht nur viele Tipps und Hintergründe vermittelt, sondern steuerten in der konstruktiven, angeregten Diskussion auch viele eigene Erfahrungen bei.

In immer mehr Familien gibt es ältere Angehörige, die Pflege benötigen. Bundesweit sind rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig, im Landkreis Harburg gelten nach der letzten Erhebung im Pflegebericht gut 12.300 Menschen als pflegebedürftig. Die meisten werden zu Hause gepflegt: Nur etwa 20 Prozent der pflegebedürftigen Menschen leben nach Angaben von Nikolaus Lehmberg in Pflegeheimen. „Die Studienlage geht aus, dass acht Prozent der Beschäftigten zu Hause als pflegende Angehörige eingebunden sind.“ Das kostet Kraft und Zeit – mit Folgen für den Beruf: Nur knapp die Hälfte der Hauptpflegepersonen arbeitet in Vollzeit. Der Fachkräftemangel in der Pflege und die Schließung von Heimen verschärfen die Situation. „Der Angebotsmangel in der Pflege ist längst eine Wohlstands- und Wachstumsbremse. Schon heute finden viele pflegende Angehörige nicht mehr die professionelle Unterstützung, die sie dringend brauchen.“

Flexible Arbeitszeitmodelle entwickeln

Um Beschäftigte zu unterstützen und so auch im eigenen Betrieb zu halten, seien auch die Arbeitgeber gefordert, betont Lehmberg. So könnten sie Verständnis für die Situation zeigen und Beschäftigte auf gesetzliche Ansprüche hinweisen oder ihren Mitarbeitern auch selbst flexible, alternative Arbeitsmodelle anbieten.

Wie so etwas funktionieren kann, war dann Thema im Best-Practise-Beispiel. Cecile Meyer-Bartsch, Personalleiterin und Mitglied der Geschäftsleitung der Mölders Holding GmbH, schilderte ihre Erfahrungen und gab Tipps. Abschließend war natürlich genügend Zeit für Fragen und zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch.

„Wirtschaftsförderung vor Ort“ ist eine Veranstaltungsreihe des Landkreises Harburg in Kooperation mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden für Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Interessierte im Landkreis Harburg. Ziel ist es, den Austausch zwischen Verwaltung, Institutionen und Unternehmen zu fördern, für aktuelle Themen und wichtige Herausforderungen zu sensibilisieren und über die verschiedenen, häufig unbekannten Unterstützungsangebote und finanziellen Fördermöglichkeiten zu informieren. Dazu geben anerkannte Experten und Praktiker aus Betrieben vor Ort Anregungen und Tipps.

Alle Informationen finden sich auch unter https://www.landkreis-harburg.de/wirtschaftsfoerderung-vor-ort.

Die Herausforderungen von Pflege und Berufstätigkeit auch für Unternehmen schilderten (v. li.) Dr. Alexander Stark (Landkreis), Nikolaus Lehmberg (Interessengemeinschaft e.V. InGe), Kerstin Emmerichs (Demenzbeauftragte), Cecile Meyer-Bartsch (Mölders Holding), Andrea Kowalewski (Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft) und Ulrike Boje (wir pflegen e.V. Niedersachsen) | Foto: Landkreis Harburg
Auf die „Pflegekrise konkret“ geht Nikolaus Lehmberg bei der Wirtschaftsförderung vor Ort ein | Foto: Landkreis Harburg
Redakteur:

Stefanie Hansen aus Tostedt

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