Benannt nach einem Vertrauten Goethes
Winsener Johann-Peter-Eckermann-Realschule feiert 100-jähriges Jubiläum

- Schulschluss an der Eckermann-Schule an der Bürgerweide in Wionsen
- Foto: Neises
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Sie ist nach einem aus Winsen stammenden engen Vertrauten des "Dichterfürsten" Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) benannt und hat seit ihrer Einweihung 1925 selbst (pädagogische) Geschichte geschrieben - die Johann-Peter-Eckermann-Realschule an der Bürgerweide 1 in Winsen. Am 1. April feiert die älteste Schule in der Trägerschaft des Landkreises Harburg ihr 100-jähriges Jubiläum zunächst mit geladenen Gästen. Diese dürfen sich freuen auf ein abwechslungsreiches Programm mit interessanten Beiträgen, spannenden Rückblicken sowie auf Begegnungen mit ehemaligen Lehrkräften und Schülern.
Rockig geht es zu beim Jubiläums-Konzert, das am Freitag, 25. April, ab 18 Uhr im Jugendzentrum "Egon's" (Mozartstraße 6) steigt. Auf der Bühne zu erleben sind die Bands "The Whooo Summers" und "Hey Nille" aus Lüneburg sowie die Formation "C-Mitte", deren Mitglieder aus dem Raum Lüneburg und Bad Bevensen kommen. Der Eintritt kostet 10 Euro.
Das "Egon's" ist am Freitag, 9. Mai, um 18 Uhr auch Schauplatz des festlich-fröhlichen "Mai-Balls", den die Eckermann-Realschule anlässlich ihres runden Geburtstages veranstaltet. Mehr Infos zu diesen Events und weiteren Schulaktivitäten sind zu finden unter www.eckermannschule.de.
Die Verbindung des Schul-Namensgebers Johann Peter Eckermann, einem Dichter und Schriftsteller, zu dem von ihm verehrten Goethe war übrigens entstanden, als Eckermann ihm seine "Beyträge zur Poesie mit besonderer Hinweisung auf Goethe" schickte. Nach dessen Tod brachte sein Vertrauter die bis heute bekannten, in zahlreiche Sprachen übersetzten "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens" heraus.
Vielfältige Formen des Lernens: Interview mit den Schulleitern
Die Geschicke der Johann-Peter-Eckermann-Realschule werden von einem perfekt aufeinander eingespielten Duo geleitet: Rektor Andreas Neises (51) und Konrektor Sascha Eckhardt (49). WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann sprach mit ihnen anlässlich des Jubiläums über die Arbeit an ihrer derzeit 575 Schüler zählenden Wirkungsstätte.
WOCHENBLATT: Herr Neises, welche Fächer unterrichten Sie hier an der Schule?
Andreas Neises: Ich unterrichte Deutsch, Geschichte und Politik. In der Schule lag ich in diesen Fächern immer im Dreier-Bereich. Das zeigt sehr schön, dass schulische Noten nicht immer den späteren Berufsweg vorzeichnen. Schule vermittelt eine breite Allgemeinbildung, während individuelle Stärken und Interessen oft erst im Laufe des Berufslebens sichtbar werden – so wie es auch meine eigene Laufbahn verdeutlicht.
WOCHENBLATT: Herr Neises, Sie sind seit 2008 an der Schule tätig und seit 2020 ihr Leiter. Wie hat sich das Schülerbild seit Ihrem Start hier verändert?
Neises: Unsere Schüler waren und sind nach wie vor sehr höflich und nett, was uns auch immer wieder von externen Referenten und Projektleitern bestätigt wird. Gleichzeitig haben sich die gesellschaftlichen Anforderungen an Schulen verändert. Unterschiedliche familiäre Hintergründe, digitale Medien und neue Berufswelten beeinflussen heute die Bildung und Erziehung junger Menschen stärker als früher. Hinzu kommt, dass die Coronapandemie deutliche Spuren hinterlassen hat – sowohl im sozialen Miteinander als auch im Lernverhalten. Es ist unsere Aufgabe als Schule, darauf flexibel und unterstützend zu reagieren.
Sascha Eckhardt: Was gleich geblieben ist, ist unser bewährtes Realschulsystem. Viele Eltern, die ihre Kinder heute bei uns anmelden, kennen es noch aus ihrer eigenen Schulzeit. Ein fester Bestandteil dieses Systems ist die intensive Unterstützung in Prävention, Berufsorientierung und die Tatsache, dass wir immer Ansprechpartner in verschiedensten Lebenslagen sind.
Neises: Dazu gehört auch, dass wir bewusst keine Ganztagsschule sind und keine Mensa haben. Unsere Schülerinnen und Schüler verbringen ihre Nachmittage oft in Vereinen oder bei der Feuerwehr. Diese enge Verbindung zu lokalen Strukturen ist uns wichtig und trägt zur Persönlichkeitsentwicklung bei.
WOCHENBLATT: Was hebt die Eckermann-Realschule von Integrierten Gesamtschulen (IGS), Oberschulen und Gymnasien ab?
Neises: Rein von den möglichen Bildungsabschlüssen im Sekundarbereich I gibt es keine Unterschiede – an allen Schulformen, Gymnasium eingeschlossen, kann der erweiterte Realschulabschluss erworben werden. Was uns jedoch unterscheidet, sind unsere homogeneren Lerngruppen sowie die enge Verzahnung von geschlossenen und offenen Lernformen.
Unser Wahlpflichtkurs-Angebot ist breit aufgestellt und umfasst neben praxisnahen Projekten auch zahlreiche betriebliche Kooperationen – teils sogar überregional bis nach Berlin. Zudem sind wir im digitalen Bereich hervorragend aufgestellt. Wohldosiert bauen wir selbstorientiertes Lernen und Peer-to-Peer-Ansätze ein, um die Eigenverantwortung der Schüler zu stärken und kooperatives Lernen zu fördern. Dabei unterstützen ältere Schüler jüngere als Paten – sei es beim Lernen, bei der Organisation des Schulalltags oder auch bei sozialen Fragestellungen. Ab dem kommenden Schuljahr wird zusätzlich ein Mentoring-Programm eingeführt, bei dem speziell ausgebildete Lehrkräfte ab dem achten Jahrgang als feste Mentoren fungieren und die Schülerinnen und Schüler individuell begleiten.
WOCHENBLATT: Unter den Eckermann-Schülern der vergangenen Jahrzehnte waren sicher auch einige namhafte Persönlichkeiten. Welche Promis gehörten dazu?
Neises: Zu den bekannten ehemaligen Schülern gehören unter anderem Rudolf Meyer, ehemaliger Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbandes und CDU-Bundestagsabgeordneter, sowie Reiner Kaminski, langjähriger Fachbereichsleiter Soziales beim Landkreis Harburg. Auch Bundesverdienstkreuzträgerin Sigrid Harms, die mehrfach ausgezeichnete Schwimmerin Claudia Lipski und Bauunternehmer Günter Effinger haben hier die Schulbank gedrückt. Viele von ihnen halten bis heute den Kontakt zur Schule. Das unterstreicht, wofür die Realschule steht: eine solide Bildung zu vermitteln, mit der man vieles im Leben erreichen kann.
WOCHENBLATT: Was wünschen Sie der Eckermann-Schule für die Zukunft?
Neises: Ich wünsche mir, dass die Arbeit und das Wirken der Schule weiterhin so positive Rückmeldungen aus der Mitte der Gesellschaft erfährt und dass die Realschule als fester Bestandteil im Bildungskanon des Landes Niedersachsen verankert bleibt. Zudem hoffe ich, dass das große Netzwerk, das sich um unsere Schule gespannt hat – bestehend aus ehemaligen Schülern, Kooperationspartnern und der lokalen Gemeinschaft –, weiterhin erhalten bleibt und sich stetig weiterentwickelt.
Eckhardt: Das ist auch der Wunsch aller Lehrkräfte hier, die seit vielen Jahren mit viel Herzblut unterrichten. Wir setzen uns tagtäglich dafür ein, unseren Schülerinnen und Schülern nicht nur eine fundierte schulische Ausbildung zu bieten, sondern sie auch auf ihrem individuellen Lebensweg bestmöglich zu begleiten. Es wäre großartig, wenn unsere Schule auch in Zukunft dieser verlässliche Ort des Lernens und der persönlichen Entwicklung bleibt.
WOCHENBLATT: Herr Neises, Herr Eckhardt, vielen Dank für das Gespräch


Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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